Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2016

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Berlin (pressrelations) –

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2016

– Die Aufwärtsdynamik der deutschen Wirtschaft hat sich nach dem starken ersten Quartal etwas abgeschwächt.
– Die konjunkturellen Risiken aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld haben sich nach dem Brexit-Votum der Briten erhöht.
– Die Industrieproduktion war Mitte des zweiten Quartals schwach. Hierfür war die überdurchschnittliche Zahl an Brückentagen mitverantwortlich. Die gute Baukonjunktur wird durch witterungsbedingte Sondereffekte verdeckt.
– Die Beschäftigung wurde weiter deutlich erhöht.

Die Dynamik der deutschen Wirtschaft hat sich abgeschwächt.[1] Nach dem sehr starken Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal (+0,7 %)[2] war dies zu erwarten. So war die Frühjahrsbelebung im Baugewerbe nach dem produktionsintensiven milden Winter weniger ausgeprägt als üblich. Die Industrieproduktion war Mitte des zweiten Quartals saisonbereinigt geringer als im Durchschnitt des ersten Quartals, wobei allerdings auch Brückentageeffekte zu Buche schlugen. Die Beschäftigung nahm insbesondere in den Dienstleistungsbereichen weiter zu, in einigen Bereichen allerdings langsamer als zuvor. Auf der Nachfrageseite entwickelten sich die Ausfuhren weiter überraschend dynamisch. Die privaten Konsumausgaben scheinen eine ruhigere Gangart eingeschlagen zu haben. Das Geschäftsklima in der gewerblichen Wirtschaft hat sich aber seit dem Frühjahr insbesondere hinsichtlich der Geschäftserwartungen merklich aufgehellt.

Die vorliegenden Daten geben den Stand vor dem Brexit-Votum der Briten wieder. In Abhängigkeit vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung im Vereinigten Königreich können Unwägbarkeiten nach dem Votum negative Rückwirkungen auf die wirtschaftliche Situation in Deutschland haben. Die deutsche Wirtschaft ist allerdings in einer guten Verfassung und hat es immer wieder geschafft, sich auf neue Situationen einzustellen.

Die Weltwirtschaft zeigt nur ein moderates Wachstum. Nach Schätzung der OECD dürfte es mit 3,0 % in diesem Jahr nicht höher ausfallen als im vergangenen Jahr. In den Vereinigten Staaten hat sich das Expansionstempo im ersten Quartal 2016 verlangsamt. Für das zweite Quartal deuten die aktuellen Daten jedoch eine Erholung an. Der Euroraum wies im ersten Quartal mit einem Anstieg um 0,6 % ein recht hohes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf. Die Frühindikatoren sprechen hier für eine moderatere Fortsetzung des Wachstums. Mit dem Brexit-Referendum sind zudem die konjunkturellen Abwärtsrisiken für den Euroraum gestiegen. Zahlreiche Analysten haben ihre Wachstumserwartungen für das kommende Jahr insbesondere für das Vereinigte Königreich, aber auch für die Eurozone zurückgenommen. Die japanische Wirtschaft kommt trotz des überraschend starken Wachstums im ersten Quartal nicht in Schwung. China verzeichnet weiterhin ein hohes, aber sich verlangsamendes Wachstum. Die Rezession in Brasilien scheint sich allmählich abzuschwächen.

Angesichts des weltwirtschaftlich schwierigen Umfelds haben sich die deutschen Warenausfuhren in diesem Jahr bislang überraschend stark gezeigt. Trotz eines Rückgangs im Mai in jeweiligen Preisen um 1,8 % blieben sie im saisonbereinigten Dreimonatsvergleich mit +2,2 % deutlich aufwärtsgerichtet. Die Zuwächse kamen überwiegend aus dem Euroraum. Angesichts der gestiegenen Risiken der Weltwirtschaft dürften die Exporte in den nächsten Monaten moderater zunehmen. Die Einfuhren an Waren entwickelten sich demgegenüber schwach. Bei Stagnation im Mai nahmen sie im Dreimonatsvergleiche nominal um 2,2 % ab.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe blieb Mitte des zweiten Quartals ohne Schwung. Im Mai wurde 1,3 % weniger produziert als im Vormonat. In der Industrie ging die Erzeugung noch etwas kräftiger zurück (-1,8 %). Insbesondere die Herstellung von Investitionsgütern wurde zurückgefahren (-3,9 %). Im Baugewerbe wurde saisonbereinigt nochmals weniger produziert als im Vormonat (-0,9 %). Die Energieerzeugung wurde demgegenüber um 3,9 % ausgeweitet. Zur schwachen Industrieproduktion hat allerdings die überdurchschnittliche Zahl an Brückentagen beigetragen. Die hierdurch ausgelösten vorübergehenden Produktionseinbußen werden bei der Saisonbereinigung nicht gesondert berücksichtigt. Aber auch die weniger durch Sondereinflüsse beeinflussten Zwei- und Dreimonatsvergleiche deuten auf eine leicht rückläufige Industrieproduktion hin (Stand Mai: -0,4 % bzw. -0,5 %). Auch die Auftragseingänge in der Industrie entwickeln sich gegenwärtig schleppend. In den vergangenen Monaten hellte sich das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe allerdings etwas auf. Nach einer etwas schwächeren Entwicklung im zweiten Quartal dürfte sich die Industrieproduktion im weiteren Verlauf daher moderat beleben. Die Produktion im Baugewerbe konnte saisonbereinigt das witterungsbedingt hohe Produktionsniveau des ersten Quartals noch nicht wieder erreichen. Ursache war nicht zuletzt nach dem milden Winter eine schwächere Frühjahrsbelebung als sonst üblich. Nach dem Auslaufen dieses Sondereffekts dürfte die für sich genommen gute Konjunktur im Baugewerbe wieder sichtbar werden.

Der private Konsum stützt weiterhin die Konjunktur. Die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kraftfahrzeuge) sind im Mai gestiegen (+0,9 %), blieben aber niedriger als im Durchschnitt des ersten Quartals. Die Umsätze im Kfz-Handel konnten im April ebenfalls wieder gesteigert werden (+2,2 %), ein Ende des positiven Trends zeichnet sich hier nicht ab. Die Zahl der Kfz-Neuzulassungen privater Fahrzeughalter lag im ersten Halbjahr deutlich über dem Vorjahreswert. Das Geschäftsklima im Einzelhandel bleibt überdurchschnittlich positiv und das Konsumklima der Verbraucher hellte sich weiter auf. Die gute Lage am Arbeitsmarkt und die schwache Preisentwicklung bilden weiterhin günstige Rahmenbedingungen für die Konsumnachfrage.

Die Zahl der Erwerbstätigen erhöhte sich im Mai um 1,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat und stieg auf einem Rekordniveau von rund 43,5 Mio. Personen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung dürfte im Mai den Anstieg der Erwerbstätigkeit bewirkt haben. Saisonbereinigt waren 45.000 Personen mehr beschäftigt als im April. Die registrierte Arbeitslosigkeit hat sich im Juni etwas stärker als jahreszeitlich üblich auf 2,61 Mio. Personen verringert, jedoch ist auch der Umfang der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen ausgeweitet worden. Dies zeigt sich an dem erneuten Anstieg bei der Unterbeschäftigung, die saisonbereinigt nicht zuletzt aufgrund der hohen Zuwanderung an Flüchtlingen den vierten Monat in Folge gestiegen ist. Die Nachfrage nach Arbeitskräften befindet sich weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Die Frühindikatoren senden alles in allem positive Signale für den Arbeitsmarkt.

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