Volkssturm und Kehrwoche – Der Alltag des deutschen Rechts 1945

BU Portrait: Der Rechtswissenschaftler Dr. Benjamin Lahusen erforscht, wie die deutsche Rechtsprechung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs funktionierte - und wie zahlreiche Prozesse nahtlos
BU Portrait: Der Rechtswissenschaftler Dr. Benjamin Lahusen erforscht, wie die deutsche Rechtsprechung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs funktionierte – und wie zahlreiche Prozesse nahtlos

BU Prinzenbau: Der zerstörte
BU Prinzenbau: Der zerstörte

Ladenburg (pressrelations) –

Volkssturm und Kehrwoche – Der Alltag des deutschen Rechts 1945

Der Vortrag findet im Rahmen der Reihe “Dialog im Museum” statt.

Noch im Februar 1945 schrieb Reichsjustizminister Otto Thierack an alle Gerichte, bei Feindannäherung erwarte er von seinen Behördenleitern, dass “in ihren Geschäftsbereichen in voller Ruhe” weitergearbeitet werde. Obwohl die Gerichte unter Personalmangel litten, nicht selten in zerstörten Gebäuden tagten und Akten teilweise verbrannt waren, gab es kurz vor Kriegsende kaum einen Fall, der für die Justiz zu unbedeutend gewesen wäre. Deutsche Gerichte fällten in dieser Zeit nicht nur die sattsam bekannten Todesurteile; auch Ehescheidungen, Nachbarschaftsstreitigkeiten oder Straßenverkehrsdelikte verhandelten sie mit stoischem Gleichmut weiter.

In Straßburg wurde noch getagt, als die US-amerikanischen Panzer bereits den Stadtkern erreicht hatten, die Oberlandesgerichte von Breslau und Posen verlegten ihre Dienstsitze auf die andere Seite von Oder und Neiße, die Kollegen in Karlsruhe und Köln zogen ostwärts, um weiter judizieren zu können. In seinem Vortrag erläutert Benjamin Lahusen nicht nur, wie und worüber in den letzten Tagen und Wochen des Krieges Recht gesprochen wurde, sondern zeigt auch, wie zahlreiche dieser Prozesse erstaunlich nahtlos über die “Stunde Null” hinweg in der jungen Bundesrepublik fortgeführt wurden. Dabei berichtet der Jurist von vielen unbekannten historischen Ereignissen – nicht zuletzt von erschütternden Einzelschicksalen, die ihm bei seiner Recherche in den Archiven begegnet sind.

Zur Person: Dr. Benjamin Lahusen studierte in Tübingen, Lausanne, Berlin und New York (Columbia) Rechtswissenschaften. Nach seiner Doktorandenzeit am Frankfurter Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte wurde er 2009 an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Dort leitet er derzeit die wissenschaftliche Nachwuchsgruppe “Die Verwaltung von Normalität. Deutsches Recht und deutsche Gesellschaft, 1944-1952”. 2012 wurde er in das Stipendienprogramm für Postdoktoranden und Juniorprofessoren der Daimler und Benz Stiftung aufgenommen, 2014 wurde er Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung.

Pressekontakt:

Rückfragen bitte an:
Dr. Johannes Schnurr
Pressesprecher

Tel.: 06203-10 92 0
mobil: 0176-216 446 92

E-Mail: schnurr@daimler-benz-stiftung.de

Leave a reply:

Your email address will not be published.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Site Footer